Fachstelle Waldnaturschutz
Waldschönheit im Blickpunkt der Förster

Frauenschuh-OrchideeZoombild vorhanden

Frauenschuh-Orchidee (Foto: Judith Knitl)

Der Frauenschuh – eine regionale Besonderheit

Beim Begriff „Orchideen“ fallen uns spontan exotische Länder, aparte Blüten und empfindliche Zimmerpflanzen ein. Manch einer denkt vielleicht noch an Gewürze wie Vanille oder an heimische Orchideen auf mageren Wiesen und Weiden. Doch auch unsere Wälder beherbergen etliche Orchideenarten, darunter die wohl auffälligste und spektakulärste Art: den Europäischen Frauenschuh. Der Name beschreibt sehr schön das Aussehen der großen, gelb und braunrot gefärbten Blüten, deren auffälligstes Blütenblatt die Form eines rundlichen, gelben Pantoffels hat. In Bayern liegen die Verbreitungsschwerpunkte des Frauenschuh in Gebieten mit kalkhaltigen Böden wie im Alpen- und Voralpenraum, in Teilen Frankens, aber auch im Oberpfälzer Jura. Besonders in den Landkreisen Neumarkt und Amberg sind große Bestände mit z.T. mehreren hundert blühenden Sprossen zu finden.

Waldbewohner im „Zweidrittel-Schatten“

Im Offenland ist es ihm zu hell, oft zu trocken und es gibt zu viel Konkurrenz durch kräftigere Pflanzen; im dichten Wald hat er oft nicht ausreichend Licht – der Frauenschuh hat es nicht leicht. In der Vergangenheit hat er von historischen Nutzungsformen wie Streurechen und Beweidung profitiert, die relativ lichte Wälder mit wenig Unterwuchs geschaffen haben, heute aber nicht mehr stattfinden. Um die markante Pflanze trotzdem dauerhaft in unseren Wäldern zu erhalten, muss bei der Waldbewirtschaftung etwas Rücksicht auf Frauenschuhbestände genommen werden. Das ist meist nicht so schwierig, wie es klingt, denn die Art gedeiht am besten bei Lichtverhältnissen, die etwas dunkler sind als „Halbschatten“, und dies kommt in Wirtschaftswäldern nicht selten vor; der Frauenschuh profitiert also häufig von der Holznutzung, ohne die viele Wälder zu dicht und zu dunkel für ihn wären.

Förster aus ganz Bayern informieren sich

Mehrere Personen in Forstkleidung in einem WaldZoombild vorhanden

Forstleute diskutieren über Maßnahmen zur Förderung des Frauenschuh-Bestandes (Foto: Christine Franz)

Um also die Art zu erhalten und Waldbesitzende bestmöglich zum „Wohl und Weh“ der Orchidee beraten zu können, ist einiges Wissen nötig. Deshalb trafen sich kürzlich 19 Forstleute der Forstverwaltung und der Bayerischen Staatsforsten aus ganz Bayern zu einer Fortbildungsveranstaltung, die von der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF, Freising) gemeinsam mit der Fachstelle Waldnaturschutz Oberpfalz (Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Amberg-Neumarkt i.d.OPf.) im Raum Kastl und Lauterhofen angeboten wurde. Nach Vorträgen zu Biologie und Schutz des Frauenschuh erfolgte zur praktischen Vertiefung eine Exkursion zu Vorkommen der Art im Privatwald und im Gemeindewald.
Vor Ort wurden die Wuchsbedingungen, der Einfluss forstlicher Maßnahmen, wie etwa Durchforstungen, und mögliche Schutz- und Fördermaßnahmen diskutiert; auch einer der Waldeigentümer präsentierte Bestände mit Frauenschuh in seinem Wald, in denen bereits verschiedene Maßnahmen zur Förderung der Art durchgeführt wurden. Diese Fortbildung fand schon zum dritten Mal statt und zeigt, dass der Erhalt der Orchidee als Teil der heimischen Artenvielfalt vielen Förstern und Waldeigentümern am Herzen liegt!

Frauenschuh-Schutz hat gute Gründe!

Wie der Name teilweise andeutet, liegt der Verbreitungsschwerpunkt des Europäischen Frauenschuhs in Europa mit Westasien. Somit hat Europa eine hohe Verantwortung für seinen Erhalt. Weil die Wuchsbedingungen für ihn im Lauf der Zeit schwieriger wurden und er als attraktive Art in der Vergangenheit auch gepflückt oder ausgegraben wurde, ist der Frauenschuh nach der Roten Liste in Bayern gefährdet und gesetzlich besonders geschützt. Er darf nicht gepflückt oder gar ausgegraben werden; letzteres wäre auch sinnlos, weil der Frauenschuh im Gartenboden oder im Topf aufgrund fehlender lebensnotwendiger Mikroorganismen nicht gedeihen würde.

Und wozu dient nun der „Pantoffel“?

Eine verzwickte Angelegenheit ist die Bestäubung der sonderbar geformten Blüte: sie wird durch bestimmte Solitärbienenarten erledigt, die von Farbe und Duft angelockt werden und durch eine große Öffnung in den „Pantoffel“ gelangen. Durch diese Öffnung geht es aber nicht mehr hinaus, da die Ränder zu glatt sind. Stattdessen werden die recht kleinen Bienen durch feine Härchen zu einem engen Ausgang geleitet, durch den sie sich hinausquetschen müssen, und hier bekommen sie entweder Pollen mit auf den Weg oder streifen bereits erhaltene ab. Und damit nicht genug: der Frauenschuh bietet dafür nicht einmal Nektar als Belohnung! Der Pantoffel ist also eine „Kesselfalle“, aber immerhin eine, die ihre Opfer wieder freilässt und nicht verspeist…

Fortpflanzung – keine ganz einfache Sache

Der Weg vom Samen zur Pflanze ist bei Orchideen kompliziert: wie alle Orchideenarten hat der Frauenschuh hauchfeine Samen, die über den Wind weit verbreitet werden und keinerlei Reservestoffe mit sich führen. Deshalb brauchen sie zum erfolgreichen Keimen und Wachsen bestimmte Bodenpilze als Partner, die die Ernährung der Pflanze unterstützen (sogenannte „Mykorrhiza“). Nach erfolgreicher Keimung dauert es noch mindestens drei Jahre, bis überhaupt das erste Blatt erscheint und bis zur ersten Blüte dauert es dann noch ein paar Jahre mehr. Zum Glück hat die Art für Ihre Vermehrung noch einen „Plan B“: Sie kann sich auch ungeschlechtlich über Wurzelausläufer („Rhizome “) vermehren.

In der Natur hängt alles mit allem zusammen

Wer den Frauenschuh erfolgreich schützen will, muss also vieles bedenken: die Orchideenpflanzen selbst und ihre Wuchsorte müssen bei Waldwirtschaft, Wegebau und Erholungsverkehr und ähnlichem geschont werden, die Lichtverhältnisse am Wuchsort sollten möglichst gut angepasst werden und die Lebensbedingungen für Wildbienenarten, z.B. offene Bodenstellen für die Brutkammern und blütenreiche Wiesen und Waldränder als Nahrung, müssen ebenfalls stimmen. Gar nicht so einfach, aber durch die Veranstaltung der LWF und der Fachstelle Waldnaturschutz Oberpfalz sind die Forstleute, bei denen die faszinierende Orchidee vorkommt, nun gut gerüstet!