Pflanzengesellschaft des Jahres 2025
Der Flechten-Kiefernwald

Bild von dem im Flechten-Kiefernwald am Boden wachsenden FlechtenZoombild vorhanden

Flechten-Kiefernwald (© Volker Binner)

Als deutschlandweit stark gefährdete und vom Aussterben bedrohte Pflanzengesellschaft (Rote Liste gefährdeter Biotoptypen) wurde der Flechten-Kiefernwald von der Floristisch-soziologischen Arbeitsgemeinschaft als Pflanzengesellschaft des Jahres 2025 ausgerufen.

Die namensgebenden Flechten sind eine Symbiose aus Pilz und Alge. Der Pilz bildet das Gerüst und schützt die Alge im Inneren vor Austrocknung. Die Alge hingegen stellt die aus der Photosynthese gewonnene Energie zur Verfügung, benötigt aber sehr viel Licht und wenig Konkurrenzvegetation. Diese ganz besondere Gemeinschaft ermöglicht es der Flechte auf Standorten zu wachsen, die für den einzelnen Partner unbesiedelbar wären.

Verantwortung für eine Besonderheit, weit über die Grenzen der Oberpfalz hinaus

Der Flechten-Kiefernwald kommt aufgrund der typischen, sehr konkurrenzschwachen Vegetation aus Flechten und Moosen natürlicherweise nur auf extrem nährstoffarmen, sauren und oftmals trockenen Böden vor. Die Restvorkommen der Waldgesellschaft in Deutschland liegen im nordostdeutschen Binnenland von der niedersächsischen Elbtalniederung an ostwärts (Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Brandenburg), im Mittelfränkischen Becken sowie im Oberpfälzer Becken- und Hügelland.
Die Vorkommen in Bayern sind weitgehend auf die starke Übernutzung der Waldstandorte durch den Menschen zurückzuführen. Neben dem hohen Energiebedarf der Eisenverhüttung („Ruhrgebiet des Mittelalters“) wurde bis Mitte des letzten Jahrhunderts in den Wäldern der Oberpfalz und Mittelfrankens vielerorts Streunutzung praktiziert. Die Streuauflage wurde dabei von Hand zusammen gerecht und diente als Einstreu für die Stalltiere. Stroh war aufgrund des gestiegenen Kartoffelanbaus begrenzt verfügbar und diente zudem als Winterfutter. Die ohnehin nährstoffarmen Sandböden hagerten durch den Nährstoffentzug immer stärker aus. Diese extreme Standortverschlechterung in Kombination mit offenem Rohboden begünstigte sowohl die „genügsame“ Baumart Kiefer als auch das Flechtenwachstum und ermöglichte eine Ausbreitung der Flechten-Kiefernwälder weit über ihr natürliches Standortareal hinaus.

Nationaler FFH-Bericht 2019 - Bund für Naturschutz Externer Link

Streurechen in Kiefernbestand

Streurechen in Kiefernbestand (© Microsoft Copilot)

Durch die Aufgabe der Streunutzung Mitte des letzten Jahrhunderts in Verbindung mit zunehmenden Stickstoffeinträgen aus der Luft verbessert sich die Nährstoffausstattung der Waldböden. In der Folge verdrängen konkurrenzstärkere Arten wie Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) und Rotstängelmoos (Pleurozium schreberi) die seltenen Flechten zunehmend. Mit fortschreitender Sukzession verändert sich die Artenzusammensetzung. Ohne gezielte, kleinflächige Pflege- und Wiederherstellungsmaßnahmen, werden auch die restlichen Flechten-Kiefernwälder weiter abnehmen und mit ihnen viele seltene und geschützte Arten. Aktuell umfasst die Gesamtfläche in Bayern nur noch rund 180 Hektar, 120 Hektar davon in der Oberpfalz.

Hier ist Bayern bzw. Deutschland in der Pflicht, seiner Verantwortung für die geschützte Waldgesellschaften gerecht zu werden. Denn Flechten-Kiefernwälder bieten u.a. auch (Ersatz-)Lebensraum für einige seltene und hoch spezialisierte Tierarten. Der Ziegenmelker (Caprimulgus europaeus) ist eine in Afrika überwinternde Nachtschwalbe, die ab Mai in den lichten Flechten-Kieferwäldern ihren Brutplatz am vegetationsarmen Boden findet und zwischen den Kronen lichter Kiefernwälder Insekten jagt.

So ist es nicht verwunderlich, dass Flechten-Kiefernwälder zu den gesetzlich geschützten Biotopen sowie zu dem europaweit geschützten Lebensraumtyp 91T0 „Mitteleuropäischer Flechten-Kiefernwälder“ der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie zählen.

Empfehlungen, die dem Erhalt und der Verbesserung der Flechten-Kiefernwald-Gesellschaft dienen:

  • Die Förderung und der Erhalt von Waldkiefer als Hauptbaumart und einzelnen Birken, Vogelbeeren und Aspen als Nebenbaumarten
  • Keine Förderung von gesellschaftsfremden Baumarten z.B. Roteiche
  • Kein Vorbau mit Laubbaumarten
  • Erhalt und Förderung von Kiefernwäldern mit unterschiedlichen Altersklassen in mosaikartiger Verzahnung
  • Erhalt- und Förderung von Alt-/Biotopbäumen und Totholz
  • Initiierung von Erhaltungs- und Wiederherstellungsprojekten in Abstimmung mit den zuständigen Behörden und der Fachstelle für Waldnaturschutz
Der frisch entnommene Bodenbewuchs ermöglicht es nun Flechten sich hier anzusiedelnZoombild vorhanden

Wiederherstellungsprojekt im Forstbetrieb Roding bei Bodenwöhr (© Aline Schwarz)

Ansprechpartner für die Beratung zu Fördermöglichkeiten in Flechten-Kiefernwäldern sind die zuständigen AELF-Revierleitenden.

Ansprechpartner

Aline Schwarz
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